US-Kriegseintritt
macht Ende vorhersehbar
Washington,
Freitag, 6. April 1917
Mit dem
Entschluss, auf Seiten der Tripelentente in den Krieg einzugreifen,
verschieben die USA die Kräfteverhältnisse. Materiallieferungen,
Truppen, v.a. die Finanzkraft des großen Industriestaats wirken
kriegsentscheidend.
Die Vereinigten
Staaten von Amerika erklären dem Deutschen Reich den Krieg. Tags
zuvor hatten Senat und Repräsentantenhaus dem Ersuchen des
US-Präsidenten Thomas Woodrow Wilson, einem Kriegseintritt der USA
zuzustimmen, mit großer Mehrheit entsprochen.
Der Grund für
die Entscheidung war der uneingeschränkte U-Boot-Krieg, den das
Deutsche Reich am 1. Februar erklärt hatte. Ab 1. März war nach
Mitteilung der deutschen Obersten Heeresleitung jedes Handelsschiff
vogelfrei, das in die Kriegszone eindrang. Hintergrund der erneuten
Ausweitung des U-Boot-Krieges auch auf neutrale Schiffe ist der
Versuch, die Britischen Inseln von der Lebensmittel- und
Rohstoffversorgung abzuschneiden. Bis zum 1. April wurden von
deutschen U-Booten acht US-amerikanische Schiffe versenkt. 48
US-Amerikaner kamen dabei ums Leben.
Maßgeblich zum
Kriegseintritt der USA trug auch das Bekanntwerden des
Bündnisvorschlags bei, den das Deutsche Reich Mexiko in der sog.
Zimmermann-Note gemacht hatte. Der Staatssekretär im Auswärtigen
Amt, Arthur Zimmermann, bot Mexiko militärische Unterstützung bei
der Wiedergewinnung der an die USA verlorenen Gebiete Arizona, Texas
und Neu-Mexiko an. Im Gegenzug sollte Mexiko die USA im Falle ihres
Kriegseintrittes in einen Krieg an der eigenen Südgrenze verwickeln.
Die Zimmermann-Note führte zu einer extremen Verschlechterung des
Verhältnisses zwischen den USA und dem Deutschen Reich.
Am 6. April
beginnen in den USA Werbemaßnahmen für die freiwillige
Rekrutierung. Der US-Kongress stimmt am 18. Mai der
Zwangsrekrutierung aller 21- bis 30-jährigen Männer zu. Von der
Wehrpflicht ausgenommen sind Familienväter, Beamte und Pazifisten.
Am 7. Juni erreichen die ersten US-Truppenverbände die französische
Ostküste.